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Der Feuerstein Sonntag, 05. 02. 2012

Offizieller Feuersteinfußball

Hier der offizielle Feuersteinfussball der FISA (Fussball in Steinzeit - Aua). Andere Steine sind nicht anerkannt und werden auch nicht geduldet. Denn nur wo echter Feuerstein draufsteht, ist auch echter Feuerstein drin.

Feuerstein (Deutsch), Flint (Englisch), Silex (Französisch), Vuursteen (Holländisch), Pedernal (Spanisch) und Selce (Italienisch). Jedes Land dieser Erde hat ein Wort dafür in seiner Sprache. Dies deutet auf eine lange Tradition; verständlich.


Feuerstein


Doch täuscht der deutsche Begriff. Mit Feuerstein alleine kann kein Feuer gemacht werden. Zum Feuermachen empfehle ich aus guter Erfahrung Schlagsteine aus >>Wommersom Quarzit. Dieses Material funktioniert auch bei einer schlechten Markasit-Qualität. Wommersom-Quarzit ist kein Feuerstein und gibt es nur in Wommersom bei Tienen in Belgien, östlich von Brüssel. Und das kostenlos, für lau, nothing, zero, nullum, nada. Bloss hin muß mann, frau. Das haben die mittelsteinzeitlichen Jäger gemacht. Zu Fuß, aus ganz Mitteleuropa. Aber natürlich geht auch "normaler" Feuerstein.

Afrika lag in Wommersom
Oben ein bearbeiteter Artefakt (Wommersom-Quarzit) von einem Fundplatz in Stolberg/Rhld. Er hat die Form von Afrika! Ist dies endlich der Beweis, dass die Menschheit aus Afrika stammt? Ich meine: ja!

Mineralogisch ist Feuerstein eine Siliciumverbindung. SiO2. Feuerstein ist spaltbar, spröde und hart, an den Bruchflächen sehr scharf und hält relativ ewig in unbearbeitetem Zustand. Es ist durchaus mit Glas zu vergleichen, hat auch die gleiche chemischen und physikalischen Eigenschaften. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom "Stahl der Steinzeit".



Ein Steinschlossgewehr

Noch bis ca.1800 benutzte man in den Vorderlader-Gewehren einen Feuerstein als Zünder. Daher der Name Flinte.

Das Steinschloß



Feuerstein ist ziemlich alt (hier schwanken die Zahlen, aber sagen wir mal, er stammt aus der Kreidezeit) und ein Produkt chemischer Vorgänge auf den damaligen Meeresböden. Bis heute ist die Entstehung von Feuerstein nicht zweifelsfrei geklärt. Da er überall auf der Erde zu finden ist, muss es geologisch natürlich sein. Warum entsteht es nicht zur Zeit? Feuerstein hat die chemische Zusammensetzung SiO2. Siliziumdioxid kommt in Platten oder Knollen, generell mit einer sogenannten Rinde (Kortex), vor. Fachleute erkennen an Farbe und Form den Herkunftsort des Materials. Unten eine Karte der Euregio mit Lagerstätten von Feuerstein.

Euregio Karte

Feuerstein war ein wichtiger Rohstoff zur Werkzeugherstellung in der Steinzeit. Die Steinzeitmenschen gingen zu den Lagerstätten und trugen verschiedene Feuersteinqualitäten zurück in ihre Lager und Siedlungen, wo er weiterverarbeitet wurde. In Trier und Frankfurt wurde Feuerstein aus Aachen gefunden. Die frühen Bandkeramiker im Rheinland benutzen fast ausschließlich Rijkholt-Feuerstein, südlich von Maastricht, rechts der Maas. Interessant ist, das die Bandkeramiker nie Feuerstein geschliffen haben, das kam erst 1000 Jahre später auf. Die Bandkeramiker nahmen zum Fällen der Bäume ein geschliffenes Felsgestein, keinen Feuerstein.(Siehe >>Dechsel)



Steinzeitmann

Es waren viele Arbeitsschritte und eine gute Kenntnis des Materials erforderlich, um aus einem Feuersteinbrocken das herzustellen, was das Leben in der Wildnis erleichterte. Das Wissen um diese Techniken wurde von Generation zu Generation weitergegeben und verbessert. Wir finden heutzutage noch die Abfälle dieser Produktionsstätten im Gelände, seltener das fertige Endprodukt. Die Bearbeitung des spröden Feuersteins war Knochenarbeit, es wurden Geweihstangen, aber auch Steine zur Bearbeitung benutzt. Die hohe Kunst der Bearbeitung waren Dolchklingen, Pfeilspitzen und geschliffene Feuerstein-Äxte. Ein Beispiel für die Herstellung einer Feuerstein-Dolchklinge im folgenden Bildern:

DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
Feuersteindolchherstellung
DolchherstellungFeuersteindolchherstellung
Feuersteindolchherstellung
Feuersteindolchherstellung
Feuersteindolchherstellung
Feuerstein-Pfeilspitzen

Blumammu besitzt den fast vollständigen Feuersteinbestand eines Mittelsteinzeitlichen Sommerlagers aus dem Raum Aachen. Fast, weil inzwischen über 6 Jahre lang auf einem Acker abgesammelt wird und immer weniger Stücke gefunden werden. Es ist ein Sommerlager, der Anteil an Pfeilspitzen ist gering, wie überhaupt sehr wenig Abschläge und Klingen im Gegensatz zur der vergleichweise enormen Menge an guten Kernsteinen vorhanden sind. Das Halbzeug wurde mitgeführt oder gehandelt und verteilt sich somit über das nördliche Mitteleuropa. Das Material ist durchweg vom Lousberg/Aachen, jedoch noch aus der Zeit, als er noch nicht abgegraben war. Der Feuerstein aus dem Lager ist honigfarben, gelb, weist aber sonst die typischen Lousbergfeuerstein-Kennzeichen auf, während der heutige Lousberg-Feuerstein rot bis braun gefärbt ist.

Nach so einem langem Zeitraum der Sammlertätigkeit an einem Fundplatz ergibt sich zwangsläufig nicht mehr die Prioriät des Einzelstücks, sondern die Statistik des Gesamten. Dies unterteilt sich auf die Anteile des Feuersteinmaterials, wie 5% Wommersom-Quarzit, 15% Vetschauer Feuerstein und 80% Lousberg Feuerstein bei ca. 10.000 Artefakten. Dann die Kernsteine, die Abschläge, die Kratzer, die Pfeilspitzen und Bohrer. Wobei nicht sicher sein kann, dass dies eine einmalige Belegung war. Will sagen: der Platz gefiel so gut, dass Jäger eine Zeit später den gleichen Platz wieder besuchten und Material vom vorgängigen Lager weiterverwendeten und neues dazukam. Das ist manchmal echt abgefahren. Ich verfolge unter anderem die Belegung mehrerer Plätze am Ufer eines inzwischen verlandeten Binnensees. Je nach damaligemWasserstand liegen die Fundplätze tiefer und höher auf der damaligen Uferzone und mit unterschiedlichem Feuersteinmaterialien (alles Mittelsteinzeit!). Ich glaube sogar, einen bestimmten Handwerker anhand der Verarbeitungsweise zu erkennen (;-).

Steinbeil

Ein Steinbeil aus Valkenburg-Feuerstein.

Obsidian

Obsidian ist vulkanisches Glas, hat aber die gleiche chemische Zusammensetzung wie Feuerstein: SiO2. Obsidian kommt in Europa von der Insel Melos, ein wenig von den liparischen Inseln und von Tenerifa. Sonst ist es im Fundbild Mitteleuropas nicht vertreten.



Blumammu benutzt zu Vorführzwecken verschiedene Feuerstein-Qualitäten, doch stammen alle aus der Provinz Südlimburg in Holland. Hier Feuersteine darzustellen, ist wie Eulen nach Athen tragen, Kölsch nach Köln, Printen nach Aachen und Käse nach Holland rollen. Deswegen hier nur Links zu entsprechenden Webseiten, welche das besser können. Da wäre zum einen ein qualitativ gutes Material aus Maastricht, bekannt als >>Rijkholt-Feuerstein, schwarz und sehr gut zu verarbeiten (d e r Bandkeramische Feuerstein-Werkstoff überhaupt im Rheinland). Dann eine etwas mindere Qualität, honigfarben bis grau, aus Valkenburg. Ein Laie würde ausser der Farbe zwischen beiden keinen Unterschied feststellen. In Zusammenarbeit mit Schulklassen verwende ich den >>Valkenburg-Feuerstein. Er ist wesentlich einfacher und in Mengen zu besorgen, daher günstiger im Preis. Das geschliffene Beil in der Abbildung oben habe ich aus Valkenburg-Feuerstei rekonstruiert (geschliffen, Länge 20 cm). Aus Rijkholt-Feuerstein mache ich Werkzeug und spezielle Vorführungen, wie Hirschzerlegung oder Klingen. Dann wäre da noch der >>Lousberg-Feuerstein, der, typisch braunrot, natürlich vom Lousberg in Aachen stammt. Leider haben dieses Material unsere Vorfahren dermaßen gründlich abgeräumt, dass heutzutage nicht ein Rohling für eine vernünftige Beilklinge rauspringt. Ehrlich! Ebenso geschehen mit dem >>Vetschau-Feuerstein vom Vetschauer Berg bei Aachen. Fast schwarz und zerklüftet, aber sehr beliebt in der Mittelsteinzeit. Nix mehr da, ausser Material von Original-Fundstellen. Es gibt hier noch einen Simpelfeld-Feuerstein, der ist Honigbraun, fast wie Feuerstein aus Grand-Pressigny, doch seltener und Feuerstein aus Rullen in Belgien, in der Nähe von Eupen, beide Sorten oberflächig. Baltischer Feuerstein kommt vereinzelt aus der Gegend von Krefeld in der Euregio vor. Ansonsten eben noch Material aus Grand Pressigny/Frankreich, einige Stücke aus Mons/Belgien und vielleicht einige Stücke aus Reims. Es sind 'ne Menge Steinzeitleute hier durchgekommen.

Maas-Eier

Eine interessante Varietät von Feuerstein sind im Rhein-Maas-Gebiet die sogannten Maas-Eier (nicht zu verwechseln mit Maas-Schotter-Feuerstein). Diese Maas-Eier erklärt man als von einem Urmeerstrand eines Meeres im Gebiet der Euregio vollständig verrundete Feuersteine mit Kortex (Rinde) bis zur Größe von Enteneiern, in meiner Gegend (Aachen) nie größer. Die Mittelsteinzeitler haben diese Eier mangels Material oft benutzt. Die Dinger aufkloppen und daraus Klingen zu schlagen, ist eine Kunst. Man kann sie auch perfekt als Schleudersteine benutzen, doch läßt sich das nicht nachweisen. Wer sich etwas wünscht, der glaubt es gern.



Doch ist bei allen Qualitäten der Aufwand und die Logistik ähnlich wie in der Steinzeit. Lange Fahrten und Wege, auswählen, all die schweren Steine mühsam über große Strecken zum Transportmittel tragen, schwitzen, fluchen, saubermachen etc., zum Wohle der Jugend. Im Folgenden einige Bilder einer neuzeitlichen Feuersteinexpedition von Blumammu ins nahe Holland, ähnlich wie in der guten alten Steinzeit, nur mit dem kleinen, aber wichtigen Unterschied des Transportmittels. Hier zu sehen die natürlichen Lagen von verschiedenen Feuersteinschichten im Mergel. Die Feuersteinknollen müssen aus dem Mergel = Kalk herausgeholt werden, zerteilt und sortiert werden.

Feuersteingrube

Feuersteingrube

Feuersteingrube

Feuersteingrube

Feuersteingrube

(Heutiger Handelsweg: >>hier)

Am Ende eine Feuersteinhaus, nein, besser, einen Turm aus Feuerstein:

Eben-Emael

Eben-Emael

Eben-Emael

Das Gebäude ist sehenswert und beherbergt ein Museum über das Silex und andere sehr kreative Dinge von nur einem Mann in 15 Jahren Arbeit geschaffen. Zu finden ein paar Kilometer südlich von NL-Maastricht auf belgisch-wallonischem Gebiet in Eben-Emael. In der unmittelbaren Nähe befindet sich eine aufgelassene Produktionstätte für Kollermühlensteine aus Feuerstein. Auch sehenswert. Oder haben Sie schon einmal rechteckige Feuersteine gesehen? >>Musée du Silex Eben Ezer Und grüßen Sie Corry von mir.

Die eigentliche Frage ist die: Wie enstand Feuerstein und warum entsteht es nicht zu Zeit? Und wenn ja, wo?

Hier ein Link zu einer sehr guten Webseite über das Thema Feuerstein und Pyrit für den Chemieunterricht in der Schule: >>Clickme



Weiterführende Literatur:
Weissgerber, Gerd
5000 Jahre Feuersteinbergbau · Die Suche nach dem Stahl der Steinzeit
Deutsches Bergbaumuseum Bochum, 1980
ISBN 3-921-533-66-X


Buch Feuersteinbergbau


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