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| So ein Pech |
Sonntag, 05. 09. 2010 |
Hier ist er, der nachweislich als Thermokleber genutzte Stoff aus der Steinzeit. Universal, klebrig und überall einsetzbar. Ein Rezept für (steinzeitliches) Birkenpech oder Birkenteer, das mit ein klein wenig Übung und Erfahrung nahezu immer funktioniert. Ein gutes Beispiel, wie schon in der (primitiven?) Steinzeit ein kompliziertes chemischer Prozess erfolgreich angewandt wurde.


Das hier gezeigte Verfahren hat nichts mit der Steinzeit zu tun, es entsteht aber brauchbarer Birkenteer. Und das ist die Hauptsache. Es ist kein Zeitplan oder Zeitlimit erforderlich. Das Verfahren funktioniert mit Geduld und Spucke. Blumammu wird das Herstellungsverfahren von Birkenpech in Kürze mit steinzeitlichen Methoden an dieser Stelle dokumentieren, d.h.: keine Verwendung von Metall oder Keramik! Es funktioniert ohne bleibende Spuren in der Landschaft zu hinterlassen!
Die folgenden Bilder entstanden am 05.04.04 in Königslutter/Helmstedt unter der massgeblichen Anleitung von Andreas Benke und Rüdiger Becker/Weferlingen-Helmstedt, welchen ich ob ihres guten steinzeitlichen handwerklichen Könnens und Hilfe großen Dank schulde. Überhaupt hat steinzeitliches Werken viel mit Routine, Wissen und Können zu tun. Doch das findet sich in vielen Handwerksberufen. Handwerk hat goldenen Boden! Hier einen eher teerigen Boden. Na ja.

1. Was gebraucht wird: Ein Metalltopf mit Stülpdeckel (Spaghettitopf). Wenn noch kein Loch, den Griff rausdrehen, mit einem dickeren Nagel in die Deckelmitte ein Loch schlagen (5 - 10 mm). Ein Kaninchendraht/rund, der in die Topföffnung passt. Eine leere große Farbdose (sauber). Eine leere, kleinere saubere Konservendose. Lehm, Wasser, eine Rohrzange, Handschuhe, ein Spaten, Wasser, genug Klein- und Großholz). Umfassungssteine, fettige Handcreme, jede Menge Birkenrinde.



2. Birkenrinde, egal ob frisch oder von morschen Birken und vor allem von den harten schwarzen Partien an den Astansätzen befreit. Es gibt verschiedene Sorten Birken, bei denen die Rinde mal dicker, mal dünner ist. Bewährt hat sich die Suche nach morschen Birken, von denen sich die Rinde leicht lösen lässt. Birken sind Pionierbäume, sie wachsen auf Altlasten, Halden und Deponien. Da keiner die Rinde und das spätere Birkenpech essen muss, spielt der Standort der Birken also keine Rolle. Es sollte viel gesammelt werden, da für die Herstellung von genügend Birkenpech ein Tag in Betracht genommen werden sollte. Dann lohnt es sich auch wegen der gewonnenen Menge.

3. Lehm wird zerstampft oder angerührt. Nicht zu dünnflüssig, eher pampig.

4. Es empfiehlt sich, die Herstellung des Birkenpechs mit mehreren Personen als Ausflug zu gestalten. Dann kann man sich unterhalten, essen, Bogenschiessen und gegenseitige Hilfe ist möglich, wie bei obigem Bild zu beobachten ist. Die Feuerstelle wird vorbereitet (Mitte), während Holz gehackt und Lehm gemischt wird.

5. Die Feuerstelle ist oval. An einem Ende wird eine Loch für die größere Farbdose gegraben (Tiefe wie Dose, Rand schließt knapp über Bodenniveau ab,damit keine Erde reinfällt), am anderen Ende des Ovals die Feuerstelle. Zuerst wird ein Feuer am anderen Ende des Steinovals entfacht (natürlich traditionell mit Zunder) um genügend Glut und Hitze für den Beginn der Kondensierung zu schaffen, weil unmittelbar über dem Topf kann das Feuer nicht entzündet werden.

6. In die Dose wird die kleinere Konservendose gestellt. Das hat den Vorteil, dass die Grube mehrfach bestückt werden und die Dose nach dem Brand ohne Probleme mit einer Zange herausgenommen werden kann. Zudem sammelt sich überschüssiges Teer-Kondensat in der großen Dose und kann so aufgefangen werden (Gutes Hausmittel bei Dermatosen - siehe weiter unten).

7. Den Deckel mit dem Loch mit der gewölbten Seite umgekehrt auf die Dose legen.

8. Inzwischen die Birkenrinde klein reissen und dicht gepackt in den Topf drücken. Ruhig mal drauftreten, randvoll füllen. Das können mehrere Personen zusammen machen.

9. Den Kaninchendraht einpassen. Dieser hat den Zweck, die Rinde im Topf zu halten und verhindert später, das Asche in den unteren Topf fällt und das kleine Loch verstopfen könnte.

10. Den Topf umgekehrt auf den Deckel stülpen.

11. Um den unteren Rand den feuchten Lehm packen, rundum. Der Lehm dichtet den Topf luftdicht ab.

12. Ein Feuer wird entfacht. Es sollte in kurzer Zeit möglichst viel Glut entstehen, deshalb eher kleineres Holz verwenden, also keine dicken Holzscheite.

13. Langsam größeres Holz auflegen und die neuesten Fussballergebnisse diskutieren (Alemannia gegen Rostock).

14. Brennt das Feuer gut, die Asche und die brennenden Scheite um und über den Topf schichten, aber schnell.

15. Holz nachlegen. Es muss eine grosse Anfangshitze geschaffen werden!

16. Das Feuer runterbrennen lassen und nicht auf die Uhr schauen. Lieber länger warten und etwas anderes machen (in Waldgebieten bitte auf Brandgefahr achten!). Bis zu diesem Zeitpunkt brannte das Feuer ca. eine halbe Stunde. Wir haben 3/4 Stunde gewartet. Das Pech ist nun unter Luftabschluss destilliert und in den kleinen Topf in den unteren Bereich getropft/geflossen.

17. Den Ton vom Topf abschlagen und den Topf abheben. Vorsicht vor den freiwerdenden Gasen. Die veraschte Rinde nicht wegwerfen. Die wird später gebraucht, um das Pech zu strecken.

18. In der kleineren Dose befindet sich das reine, flüssige Birkenpech. Menge ca. 0,3 l. Im größeren Topf das wässrige Kondensat. Dieses wird nicht verwandt.

19. Das Birkenpech muss jetzt noch in einem Holzkohlefeuer (Handelsüblicher Grill) vorsichtig eingekocht werden. Aufpassen, das es nicht aufschäumt, dann war alles umsonst. Bei aufschäumen sofort vom Feuer nehmen oder rühren. Das heisst: nie alleine lassen! Immer mal testen, ob die Konsistenz gut ist, weil: das Pech ist so in Ordnung, aber es soll kleben und fest sein und den Pfeil halten und nicht an einem Sommertag wegschmilzen. Auf einem Birkenholz Probeabstrich machen, abkühlen lassen. Das Pech sollte keine Fäden mehr ziehen, nicht mehr am Finger kleben und fest sein. Das kann dauern! Bis zu 6 Stunden. Selbst wenn das Pech in Ordnung scheint und aus der Dose genommen wird (siehe unten), bekommt der Birkenteer noch Beine und kann noch fließen. Aber: Zu hart und spröde ist auch schlecht. Die feingeriebene Asche der verkohlten Rinde aus dem oberen Topf in die Masse einrühren. Das erlaubt eine gewisse Festigkeit.
Ein Teufelszeug! Das ganze ist wegen der schwefligen Abgasen nicht ungefährlich! Dioxin und Schwefel werden freigesetzt. Deshalb aufgepasst. Am Besten im Freien arbeiten und vermeiden, den Rauch zu inhalieren. Wenn mehrere Durchgänge hintereinander gemacht werden, lohnt sich das spätere Einkochen. Wir haben drei Durchgänge wie oben beschrieben getätigt und ca. 300 ml Birkenteer aus dem Birkenrinden-Inhalt dreier großer Plastikeinkaufstüten eines großen deutschen Kaufhauses gewonnen (was letztendlich ca. 100 ml pro Durchgang bedeutet).

20. Ist der Vorgang des Einkochens zur Genüge vollendet (kann ohne weiteres durch nochmaliges Einfüllen in Dose und erhitzen fortgesetzt werden), Hände einfetten und das handwarme Pech aus der Dose pellen.

21. Das Ergebniss kann sich sehen lassen.

22. Zu einer Wurst geformt ist das Birkenpech nun gebrauchsfertig. Handwärme genügt, um es weich zu machen. Oder kurz in die Nähe einer Wärmequelle deponieren. Weicheres Pech kann als Flüssigkleber, wie z.B. zur Pfeilbefiederung angewandt werden.

Einige Informationen zur Birke und deren Nutzen für die Menschheit
Betula pendula - Gewöhnliche Birke
Betula pendula Roth.(syn. Betula alba, B. lobulata, B. odorata, B. rhombifolia, B. verrucosa)
Gewöhnliche Birke (syn. Hängebirke, Harzbirke, Rauhbirke, Sandbirke, Weissbirke)
Botanische Familie: (Compositae) Betulaceae.
VORKOMMEN
Der bis 30 m hohe Baum mit weißer Rinde und überhängenden Zweigen, ist in ganz Europa und gemäßigtem Asien bis etwa 65° nördlicher Breite zu finden.
DROGE (verwendeter Pflanzenteil)
1. Betulae cortex (syn. Cortex Betulae); Birkenrinde.
2. Betulme folium (syn. Folia Betulae, Folium Betulae); Birkenblätter
3. Betulae pix (syn. Oleum Betulae empyreumaticum, Oleum Betulae pyroligneum, Oleum betulinum, Oleum Moscoviticum, Oleum Rusci, Pix Betulae, Pix betulina, Pyroleum Betulae); Birkenteer (syn. Birkenöl, Birkenrindenteer, Birkenrindenteeröl, Juchtenöl, Litauischer Balsam, Russischer Balsam).
INHALTSSTOFFE
1. Betulae cortex: Gerbstoffe (4-15 % Proanthocyanidine), Leucoanthocyanidine, Triterpene (u.a. Betulin, Betulinsäure, Lupeol), Phenolcarbonsäuren, Spuren äther. Öls sowie Betulosid (bis 0,3 %).
2. Betulme folium: Flavonoide (2-3 %, bes. Hyperosid, Quercitrin), Proanthocyanidine, Triterpene (Dammaranderivate), Monoterpenglucoside, Phenolcarbonsäuren, u.a. Kaffeesäure und Chlorogensäure, wenig äther. Öl, Ascorbinsäure (bis 0,5 %) und mineralische Bestandteile (Kaliumtartrat, Calciumoxalat).
3. Betulae pix: Aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe (u.a. Guajacol, Kresol, Brenzcatechin, Phenol), Behensäure, Pyrogalloldimethylether-Derivate.
ANWENDUNG / WIRKUNG
1. Betulae cortex: Die Droge wird zur Herstellung von Birkenteer (s. Betulae pix) eingesetzt. In der Volksheilkunde werden Dekokte innerlich bei Hautkrankheiten und Wassersucht verwendet; äußerlich wird die Droge zu Bädern gegen Fußschweiß und Hautausschlägen bzw. für Umschläge bei Abszessen genutzt.
2. Betulme folium: Die Droge wird als Tee zur Durchspülungstherapie (aquaratische Wirksamkeit) bei bakteriellen und entzündlichen Infektionen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß eingesetzt. In der Volksheilkunde dienen Birkenblätter auch zur Frühjahrskur bei Gicht und Rheuma sowie zur Blutreinigung. Als Badedroge werden sie auch bei Arthritis genutzt. Zur Teezubereitung verwendet man als mittlere Tagesdosis etwa 2-3 g Droge.
3. Betulae pix: Zubereitungen aus Birkenteer werden insbes. in der Volksheilkunde zur Behandlung von Ekzemen, Psoriasis und anderen chronischen Hauterkrankungen genutzt. In Salben verarbeitet dient Birkenteer auch zur Therapie bei Parasitenbefall sowie von trockenen Flechten und Dermatosen. Birkenteerpräparate können auf der Haut auch unerwünschte Reizungen hervorrufen!
HOMÖOPATHIE
Betula pendula e foliis HAB1, die frischen, jungen Blätter.
Anwendungsgebiet: Anthroposophisch orientierte Therapierichtung.
SONSTIGES
Der Name Betula wurde bei den Römern für Birke gebraucht, ist jedoch möglicherweise gallischen Ursprungs, da Plinius von der Birke als "gallica arbor" schreibt. Der Name Birke ist vemutlich aus dem Altindischen abgeleitet (bhargás, strahlender Glanz und bhrag, glänzen, hell), da der Baum nach seiner weißen leuchtenden Rinde benannt ist. Die Birke ist vermutlich bereits in der Urheimat der Indogermanen vorgekommen, zumal sich der Name sowohl im Sanskrit als auch bei den germanischen und slawischen Völkern findet.
TEERE
WIRKUNG:
* entzündungshemmend
* antiekzematös
* Hornbildend (keratoplastisch)
* antiinfektiös
* Verminderung des epidermalen Zellumsatzes = Rückbildung von lichenifizierten Dermatosen.
* lichenifiziert = flächenhafte Verdickung der Haut mit Vergröberung der Hautfelderung.
NEBENWIRKUNG:
* Allergien: vor einer Anwendung immer einen Probestrich mit dem betreffenden Teerpräperat machen.
* Lichtsensibilisierend : Sonnenbestrahlung auf Teerbehandelter Haut kann zu einer starken Hautreizung führen.
* Bei einer Langzeitbehandlung kann es zu einer Teerfollikulities oder Teerakne kommen.
* Starke Verschmutzung der Wäsche.
* Unangenehmer Geruch.
ANWENDUNG:
* bei chronischen Ekzemen, Psoriasis, Lichen ruber u.a.
APPLIKATION:
* Aufpinseln des Präperates auf die Haut
* nach dem Abtrocknen mit Talcumpuder bestäuben zum Abbinden
* beim nächsten Verbandswechsel nur ausbessern
* Entfernung von Teer mit
* Butter
* Lotio alba oder
* warmen Wasser
TEERARTEN:
Pix Lithanthracis = Steinkohlenteer
Pix Juniperi = Wacholderteer
Pix betulina = Birkenholzteer (Schwefelhaltig)
Ichtyol = Schieferölderivat = Schwefelreich
Tumenol = Schieferölderivat = Schwefelarm
LCD = Liquor carbonis detergens
* 35 %iger Extrakt von Steinkohlenteer in alkoholischer Tinktur
Arningsche Tinktur = alkoholische Teerlösung
* enthält Tumenol und Anthrarobin. Anthrarobin hemmt die epidermale Zellproliferartion
Birkenteer kann man auch in der Apotheke kaufen:
Ist nicht brauchbar, weil zu dünnflüssig, lässt sich auch nicht einkochen. Kosten hoch, kein Erfolg.

OLEUM RUSCI.
BIRCH TAR OIL.
Related entry: Methyl salicylate - Oil of Gaultheria - Oil of Betula
Other tomes
Synonyms.Birch Tar; Oleum Betulae Affix; Oil of White Birch; Oleum Rusci Pyroligneum; Oleum Betulae Pyroligneum.
Birch tar oil is prepared in Russia by the destructive distillation of the wood and bark of Betula alba, Linn. (N.O. Betulaceae). Russian leather owes its characteristic odour to the above oil, which is used in its preparation. It occurs as a thick liquid, resembling wood tar in colour, and having a peculiar, agreeable, penetrating odour. Specific gravity, 0.926 to 0.955 at 20°. The oil does not harden on exposure to the air. It can be distinguished from other varieties of tar, which may be substituted for it, by the following test:Shake a few drops of the tar with water, and filter; the solution thus obtained will give a pink colouration with potassium cyanide solution, intensified on the addition of ammonia. No such reaction is obtained in the case of the Dutch and German varieties. The aqueous solution, obtained by shaking 1 part with 10 parts of water, is almost colourless, and has an acid reaction. With this solution a trace of ferric chloride produces a green colour. Five mils of the aqueous solution with 2 or 3 drops of aniline, and about 5 drops of hydrochloric acid gives a yellow mixture. If adulterated with fir tar or other kinds a red mixture is obtained. Shaken with twenty volumes of benzol, the latter assumes only a pale yellow colour. This benzol solution, on being shaken with a weak aqueous solution (about 1 in 1000) of copper acetate, should not assume a greenish colour (absence of fir tar). A rectified birch tar oil is in commerce, obtained from the crude tar by steam distillation, and is official in the Dutch Pharmacopoeia, where the specific gravity is given as 0.900 to 0.920. It is a light brown oil, consisting chiefly of guaiacol and cresol, with smaller quantities of creosol and xylenol, and probably traces of phenol.
Soluble in oils, fats, or chloroform; partially soluble in alcohol.
Constituents.Birch tar oil contains, amongst other constituents, guaiacol, cresol, and pyrocatechol (C6H6O2).
Action and Uses.Birch tar oil resembles oil of cade in its properties, and is used for external application in the form of ointment (10 per cent.) or soap (10 per cent.) for eczema, psoriasis, and other skin affections. Mixed with essential oils it is used to keep away mosquitoes.
PREPARATIONS.
Liquor Rusci, B.P.C.SOLUTION OF BIRCH TAR OIL.
Birch tar oil, 10; quillaia bark in No. 20 powder, 10; alcohol to 100.
Unguentum Rusci Compositum, B.P.C.COMPOUND BIRCH TAR OINTMENT.
Birch tar oil, by weight, 8; resorcin, 2; zinc oxide, 24; starch, 24; hydrous wool fat, 20; soft paraffin, white, to 100.


(Heutiger Handelsweg: >>hier) Bei all diesen Aktionen immer auf mögliche Feuergefahr, Verbrennungen/Vergiftungen und den logischen Ablauf achten. Nie kauen oder ähnliches! Das Zeug ist hochgiftig. Trotzdem viel Erfolg und bleiben Sie nicht kleben.

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